Duo Escarlata Perlen



Musikalische Perlen aus Deutschland


































Johann Sebastian Bach
  Sonate D-Dur, BWV 1028
(1685-1750)
   
   
Ludwig van Beethoven
  Sieben Variationen über
(1770-1827)
  “Bei Männern, welche Liebe fühlen”
    aus W. A. Mozarts “Die Zauberflöte”, Es-Dur
     
Carl Maria von Weber
  Adagio und Rondo, J. 115
(1786-1826)
   
   
Robert Schumann
  Märchenbilder, op. 113
(1810-1856)
   
     
August Nölck
  Bourrée, op. 29
(1862-1928)
   
   
Max Reger
  2 Stücke op. 79e
(1873-1916)
  Caprice – Kleine Romanze


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Mit dem Konzertprogramm “Musikalische Perlen aus Deutschland” präsentiert das Duo Escarlata die beiden Instrumente Violoncello und Akkordeon in einer außergewöhnlichen Kammermusik. Bachs Werke werden von Cellisten wie von Akkordeonisten gleichermaßen gerne interpretiert und die Gambensonaten gehören bei dieser Duo-Besetzung sozusagen zum Standardrepertoire. Ebenfalls wohlbekannte und häufig gespielte Musik für das Violoncello, aber ein für das Akkordeon hingegen recht fremdes Terrain sind Kompositionen von Beethoven, die im Vergleich zu Mozart und Haydn auf diesem Instrument sehr selten erklingen. Um sich dennoch dem dritten Wiener Klassiker zu nähern, eignen sich die von Mozart inspirierten Variationen hervorragend. Das “Adagio und Rondo” von Weber kann stilistisch perfekt daran anknüpfen, hebt sich indes noch zusätzlich durch Freiräume ab, die zum Experimentieren mit der Stimmverteilung verleiten. Auf diese Art wird dem traditionellen Schema “Melodie und Begleitung” entgegengewirkt, welches bei Schumann wiederum deutlich zum Ausdruck kommt und durch häufige Dialoge, die zwischen Violoncello und Akkordeon gesponnen werden, besonders hervorgehoben wird. Die entrückt-verträumten “Märchenbilder” bilden nahezu das Gegenstück zu den klaren, kernigen Kompositionen der ersten Konzerthälfte und leiten mit Anklängen von Volksmusik zu Nölcks “Bourrée” über, die wie ein liebliches, beglückendes, ländliches Lied erscheint. Mit Regers Caprice wird diese Unbekümmertheit übernommen, verliert sich letztendlich aber in der kleinen Romanze, mit der die “Musikalischen Perlen aus Deutschland” sanft ausklingen.

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach geboren und verstarb im Jahre 1750 in Leipzig. Seine drei Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo BWV 1027-1029 entstanden um das Jahr 1720 in Köthen, wo Bach das Amt des Hofkapellmeisters innehatte. Dort verlebte er wohl seine glücklichste Schaffensperiode, in der er vor allem Instrumentalmusik für die Kapelle des musikliebenden jungen Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen und für benachbarte Höfe komponierte. Da Fürst Leopold selbst Viola da Gamba spielte, ist anzunehmen, dass die Gambensonaten für ihn geschrieben worden sind. Es handelt sich jedoch nicht um Originalkompositionen, sondern um Einrichtungen eigener älterer Stücke. In den tänzerisch schwungvollen Themen der schnellen und den singenden Melodien der langsamen Sätze spiegeln sich Bachs Zufriedenheit und Schaffensfreude in einer Stellung wider, die ihm nach dem Zerwürfnis mit dem Herzog von Weimar hervorragende Arbeitsmöglichkeiten bot. Als der Fürst von Anhalt-Köthen jedoch die Prinzessin Friederike von Anhalt-Bernburg ehelichte und das Köthener Hofmusikleben durch ihren kunstfeindlichen Einfluss fast zum Erliegen kam, nahm Bach widerstrebend seinen Abschied und übersiedelte 1723 als Thomaskantor nach Leipzig.
Ludwig van Beethoven, getauft 1770 in Bonn und verstorben 1827 in Wien, war einer der grössten deutschen Komponisten. Er prägte stark die Musik der Wiener Klassik, führte sie zu ihrer höchsten Blüte und bereitete so der Romantik den Weg. Den sieben Variationen in Es-Dur, welche im Jahre 1801 komponiert wurden, liegt das Thema aus Mozarts Oper “Die Zauberflöte” (“Bei Männern, welche Liebe fühlen”) zugrunde. Sie sind dem Grafen Johann Georg von Browne gewidmet. Die einzelnen Variationen bilden in ihrem hohen kompositorischen Anspruch einen kunstvollen Gegensatz zum volksliedhaft schlichten Thema, sodass fast eine Folge von kleinen Charakterstücken entsteht, welche eine Fülle von Möglichkeiten des kammermusikalischen Konzertierens ausschöpft.
Carl Maria von Weber, geboren 1786 in Eutin, Schleswig-Holstein und gestorben 1826 in London, war ein deutscher Komponist, Dirigent und Pianist. Seine Mutter war Opernsängerin und der Vater Kappellmeister, Musiker und reisender Theaterdirektor. Carl Maria von Weber selber war ein Cousin von Mozarts Frau Constanze. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählten Joseph Haydns Bruder Johann Michael Haydn und Georg Joseph Vogler. Das “Adagio und Rondo”, ursprünglich in F-Dur für Harmonium und Orchester komponiert, wurde von dem berühmten Cellisten Gregor Piatigorsky für Violoncello und Klavier umgeschrieben, dessen Einrichtung sich durch den Gebrauch anderer Motive und Tonarten allerdings sehr weit von dem Original entfernt hat.
Robert Schumann, geboren 1810 in Zwickau und gestorben 1856 in Bonn, war ein deutscher Komponist und Pianist der Romantik. Die ursprünglich für Viola und Klavier geschriebenen “Märchenbilder” op. 113 von 1851 widmete er Wilhelm Joseph von Wasielewski, der von ihm als Konzertmeister am Städtischen Musikverein Düsseldorf berufen wurde und u.a. gemeinsam mit der Pianistin und Komponistin Clara Schumann private und öffentliche Kammermusikabende pflegte. Auch der Cellist Alfredo Piatti konzertierte viele Male mit Schumanns Gattin. Er arrangierte die “Märchenbilder” für Cello und Klavier und konnte sie erstmals 1881 in London aufführen. In Schumanns “Haushaltsbuch” sind verschiedene Titel für die vier lyrischen Charakterstücke niedergeschrieben, die auf der Idee der Beschreibung fantastischer Geschichten basieren.
August Nölck wurde 1862 in Lübeck geboren und starb 1928. Quellen zufolge hatte er die Stelle als Direktor des Wiener Konservatoriums inne, darüber hinaus ist über den Komponisten und Cellisten allerdings nur sehr wenig bekannt. Aus diesem Grund beschäftigten sich jüngst die beiden Venezolaner Paul Dessene (Violoncello) und Arnaldo Pizzolante (Klavier) umfassend mit seinem Werk. Sie präsentierten – teilweise unbekannte – Stücke in Konzerten und nahmen sie auf CD auf. Trotz des Verlustes vieler Kompositionen durch die beiden Weltkriege sind heute dennoch über 250 Werke, davon viele kammermusikalische, erhalten. Hervorzuheben ist auch Nölcks pädagogische Bedeutung, im Besonderen seine Anfängerschule “Das erste Jahr des jungen Cellisten”.
Max Reger wurde 1873 in Brand/Oberpfalz geboren und war Komponist, Organist, Pianist, Dirigent und Schriftsteller. Gestorben ist er 1916 in Leipzig. Reger hat unter der Werkbezeichnung op. 79 eine Anzahl Kompositionen veröffentlicht, deren verhältnismässig leichte Spielbarkeit eine häufige Verwendung in Haus und Kirche ermöglichen sollte. Dieses Werk enthält 10 Klavierstücke, 13 Choralstücke für Orgel, 8 Klavierlieder, 3 Violin- und 2 Violoncellostücke mit Klavier, 14 vier- bis sechsstimmige Choralbearbeitungen für gemischten Chor und 3 Sätze für dreistimmigen Frauen- oder Knabenchor, insgesamt nicht weniger als 54 Musikstücke. Reger gab ihnen allen die gleiche Werkzahl 79, da es ihm widerstrebte, die sehr unterschiedlich vertretenen Gattungen jeweils als ein gesondertes “opus” herauszubringen. Zu den grossen Vorbildern von Max Reger zählten unter anderem J. S. Bach und L. v. Beethoven, von deren Musik er Themen nahm und darüber Fugen, Variationen und Sonatinen schrieb.